Tiraspol

Nachdem ich mich schon ausgiebig mit Transnistrien (beispielsweise einer möglichen Föderalisierung der Republik Moldau oder den russischen Interessen in Transnistrien) befasst habe, wollte ich nun auch endlich dieses geheimnisvolle „Land“ besuchen.

Militärparade auf der Oktoberstraße in Tiraspol.

Jährlich am 2. September findet eine Militärparade anlässlich der „Unabhängigkeit“ Transnistriens statt. Diese wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Am Vortag erreichte ich Tiraspol mit dem Zug von Chisinau aus. Dieser verkehrt zweimal täglich und hat gegenüber Minibussen den Vorteil, dass keine Grenzkontrollen durchgeführt werden. Am Bahnhof wartete bereits Joe auf uns. Er ist der Betreiber des einzigen Hostels in Transnistrien. Das Hostel befindet sich in einem kleinen Haus. Die Unterbringung ist primitiv und dem Preis von umgerechnet 15€ pro Nacht nicht gerecht. Untergebracht wird man in völlig überfüllten Mehrbettzimmern, die kaum genug Raum zum laufen geben, es gibt nur ein Bad und ein WC im gesamten Hostel. Die Betten sind keine Betten im eigentlichen Sinne, sondern ausziehbare Sessel. Ich wollte trotzdem im Hostel bleiben, da Joe uns versprach die bürokratischen Gänge bezüglich der Registrierung auf sich zu nehmen. Dies versäumte er allerdings, was dazu führte, dass ich bei der Ausreise eine kleine Strafe zahlen musste und den Groll der wartenden Passagiere im Bus auf mich zog.

Schulmädchen

Der 01. September ist traditionell der erste Schultag in Transnistrien. Daher trifft man auf den Straßen auf viele Schüler in den traditionellen festlichen Schuluniformen, die zum Teil eher an französische Dienstmädchen erinnerten. Während des Mittagessens wurden wir von zwei Schülerinnen angesprochen. Englisch hört man in Tiraspol wohl selten und somit sind sie schnell auf uns aufmerksam geworden und boten an uns die Stadt zu zeigen.

Sie führten uns die Oktoberstraße, die unscheinbare Prachtpromenande Tiraspols, entlang. Hier trafen wir auf Leninstatuen, Denkmäler für gefallene Soldaten und einen Panzer. Außerdem fanden wir auch die zwei einzigen Botschaften in Transnistriens. Da Transnitrien international nicht anerkannt ist, gibt es auch keine diplomatischen Vertretungen, außer die Abchasiens und Berg Karabach, ebenfalls international nicht anerkannt.

Der nächste Tag war der Tag der Militärparade, welche schon morgens zeitig stattfindet. Die ganze Stadt schein auf den Beinen zu sein – jeder will die Parade sehen und die Ansprachen hören. Nach der Parade gehen dir Tiraspoler traditionell in die Kneipen oder begeben sich in das jahrmarktähnliche Getummel auf den Straßen. An jeder Ecke wird Wodka angeboten und zu lauter Musik getanzt.

Tiraspol tanzt.

Im Biergarten lernten wir viele Einheimische kennen. Austausch über Politik war nicht gern gesehen. Viel lieber sprach man über die Parade, das Essen und den Wodka. Am Abend fand dann zur Feier des Tages ein Open Air Konzert mit der international bekannten Sängerin In-grid statt. http://www.youtube.com/watch?v=YLCWOxraLAg statt. Ihr Eindruck von der Stadt findet man in diesem Interview:

Tiraspol war das Ende meiner erlebnisreichen Reise. Von hier Reise ich über Chisnau mit dem Nachtzug nach Bukarest von wo ich wieder nach Deutschland flog. Obwohl die Reise noch etwas länger dauer sollte, entschied ich mich meinen Flug vorzuverlegen. Die vielen Eindrücke brauchen Zeit verarbeitet zu werden. Vieles konnte ich aus dieser Reise mitnehmen. Viele neue Freundschaften wurden geschlossen und Eindrücke gesammelt. Die mir entgegengebrachte Gastfreundschaft macht mich noch immer sprachlos und ich möchte viele der gesehen Orte auf jeden Fall wieder besuchen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.